Kapitel 3 – Kiefer, Sekundenkleber und jede Menge Schleifstaub
Die hölzernen Aufbauten gehörten zu den zeitaufwendigsten Arbeiten des gesamten Projekts. Die Konstruktion des alten Bausatzes war interessant: Tiefgezogene Kunststoffkörper wurden mit Holzleisten verkleidet, dazu kamen gestanzte, mit Furnier versehene Sperrholzteile. Der Bausatz war rund dreißig Jahre alt und noch nicht mit den Möglichkeiten moderner, präzise lasergeschnittener Bauteile ausgestattet.
Ich arbeitete mich von vorne nach hinten durch die Aufbauten. Der vordere Aufbau war dabei gewissermaßen mein Übungsstück. Hier konnte ich ausprobieren, wie sich die Leisten am besten zuschneiden, verkleben und verschleifen ließen.
Verwendet wurden Kiefernleisten mit einem Querschnitt von 3 × 8 Millimetern. Ich schnitt sie mit einem Stahllineal und einer feinen Modellbausäge zu und verklebte sie mit dünnflüssigem Sekundenkleber. Bei diesem Kleber hatte ich mit Kavan gute Erfahrungen gemacht. Die 20-Gramm-Flaschen waren preislich vernünftig, und der Kleber ließ sich gut verarbeiten. Die kleinen Packungen mancher Baumarktprodukte waren mir für diese Arbeit zu teuer.
Die Leisten mussten sauber aneinanderliegen. An den Ecken waren 45-Grad-Schnitte gefragt, und nach dem Verkleben wurden die Übergänge sorgfältig verschliffen. Die Kanten rundete ich leicht ab, damit sich die Aufbauten angenehm anfühlten und nicht wie scharfkantige Holzkisten wirkten. Die gut ausgelagerten Kiefernleisten waren so störrisch, dass ich sie vor dem Biegen gut wässern musste. Ich kam mir wie ein echter Bootsbauer vor.
Das Schleifen produzierte beträchtliche Mengen Staub. Kiefernholzstaub lag irgendwann auf Werkzeugen, Flaschen, Kartons, Teppich und Möbeln. Ich saugte mehrfach, denn eine völlig verstaubte Werkstatt ist nicht mein Idealzustand.
Zwischendurch stellte sich auch noch heraus, dass mein Vorrat an den alten Kiefernleisten zur Neige ging. Die neu beschafften Leisten waren heller, weicher und flexibler als das alte Holz. Dadurch entstanden sichtbare Unterschiede in der Oberfläche. Also musste ich auch hier nacharbeiten. Mit einer Mischung aus Acrylfarben versuchte ich, die neuen Leisten farblich an das gealterte Holz anzupassen. Normalerweise versucht man, alte Dinge jünger aussehen zu lassen. Hier musste ich das neue Holz künstlich altern lassen.
Die fertigen Aufbauten bekamen mehrere Schichten Bootslack. Auch die Innenseiten wurden geschützt, damit das Holz nicht ungeschützt blieb. Dazu kamen viele kleine Details: fünf Lüfter, deren Innenseiten ich blau lackierte, Messingringe, die von Hand bemalt wurden, ein weißes Steuerrad mit Messingdetails und ein Kompass, dessen Oberfläche ich bearbeitete und anschließend in Messingoptik lackierte. Auch die Positionslichter sollten die richtigen Farben bekommen.
Nach viel Sägen, Kleben, Schleifen und Lackieren waren die drei hölzernen Aufbauten fertig. Es war eine jener Arbeiten, bei denen man erst am Ende sieht, wie viel Zeit in den einzelnen Teilen steckt. Aber das Ergebnis lohnte sich.



