Kapitel 4 – Blau, Weiß und ein Name
Bei der Farbgestaltung wollte ich bewusst meinen eigenen Weg gehen. Ich habe einen Segelschein und war daher schon häufig in Yachthäfen unterwegs. Deshalb hatte ich eine recht klare Vorstellung davon, wie mein Schiff aussehen sollte. Ein rein weißer Rumpf kam für mich nicht infrage. Ich wollte ein kräftiges, dunkles Blau oberhalb der Wasserlinie, einen weißen Unterwasserrumpf und eine weiße Wasserlinie. Auch die beiden Masten und die drei Bäume sollten weiß werden.
Das Dunkelblau sollte lebendig wirken und die Linien des Rumpfes betonen, nicht beinahe schwarz erscheinen. Zusammen mit dem Weiß sollte es einen klaren, sportlichen Eindruck ergeben. Für die Lackierung verwendete ich unter anderem Multona-Autolack von Kwasny, Weiß 0006 und Blau 0777, zusammen mit einem Haftgrund für Kunststoff.
Bei Temperaturen von über 30 Grad war das Lackieren nicht ganz einfach. Die Farbe trocknete sehr schnell, und die Oberfläche wurde stellenweise etwas rau. Das Ergebnis war nicht überall perfekt, aber insgesamt war ich mit der Wirkung zufrieden.
Später machte ich auch Erfahrungen mit unterschiedlichen Sprühdosen. Die Multona-Lacke ließen sich mit ihrem breiten, vergleichsweise sanften Flachstrahl gut kontrollieren. Bei der günstigeren Hitcolor-Serie war der Druck deutlich höher und ein deutlich diffuserer Rundstrahl. Das bedeutete mehr Sprühnebel, mehr Verbrauch und eine größere Gefahr von Laufnasen. Wer billig kauft, kauft eben manchmal zweimal.
Auch die weißen Masten und Bäume erwiesen sich als anspruchsvoller, als ich zunächst gedacht hatte. Die schmalen Aluminiumprofile waren nicht gerade ideale Lackierobjekte. Ein großer Teil des Sprühnebels ging an ihnen vorbei, und trotz mehrerer Schichten blieb die Oberfläche stellenweise etwas wolkig.
Aber man muss irgendwann zufrieden sein. Schließlich sollten die Masten später auf dem Wasser aus einiger Entfernung betrachtet werden. Ich wollte ein ordentliches Ergebnis, aber keine wissenschaftliche Untersuchung der Lackschichtdicke durchführen.
Zur Lackierung gehörte natürlich auch der Name. Ich entschied mich für Rungholt, nach der versunkenen nordfriesischen Siedlung. Das Wattenmeer und Nordfriesland gehören zu meinen Lieblingsregionen. Der Name war deshalb für mich mehr als eine hübsche Beschriftung.
Als Heimathafen wählte ich Westerhever. Gemeinsam mit ChatGPT entwarf ich ein Logo und die weißen Beschriftungen für Bug und Heck.
Diese ließ ich mir in weißer Schrift auf eine Decalfolie ausdrucken. Die Decals waren von erstklassiger Qualität und ließen sich sauber aufbringen. Nach dem Klarlack waren Name und Logo gut in die Lackierung integriert. Bei einer weiteren Klarlackschicht wurde allerdings die Dose gegen Ende leer, und das Sprühbild verschlechterte sich. Also musste noch eine weitere Dose her.
Am Ende war ich mit der Farbgebung sehr zufrieden. Die Rungholt sah nicht mehr wie eine beliebige Atlantis aus. Sie hatte ihren eigenen Charakter bekommen.




